SWB Bus und Bahn setzt auf maximale Transparenz und Sicherheit

SWB Bus und Bahn hat bereits vor Monaten im Rahmen einer Flotten-Strategie mit einer groß angelegten technischen Bestandsaufnahme bei allen Stadtbahnfahrzeugen begonnen. Dabei wurden jetzt Unregelmäßigkeiten bei einigen B-Stadtbahnwagen identifiziert. Um den höchsten Sicherheitsstandard im Fahrbetrieb zu gewährleisten, wurden umgehend kompensatorische Maßnahmen eingeleitet.
Drei Fahrzeuge wurden gemeinsam mit der Betriebsleitung der Stadtwerke und der Technischen Aufsichtsbehörde vorübergehend außer Betrieb genommen, da sicherheitsrelevante Komponenten betroffen waren. Präventiv wurde zudem am Montag, 20. Juli, gemeinsam entschieden, 60 Fahrzeuge der betroffenen Baureihen vorübergehend von der Schiene zu nehmen.
Sicherheitscheck der Radsatzwellen
Bei der Überprüfung der Radsatzwellen, die bei Schienenfahrzeugen Räder starr miteinander verbinden, wurde festgestellt, dass in Fahrzeugen der 4. Serie (1980er Jahre) teilweise Wellen aus den 1970er Jahren verbaut sind. Unter anderem die dadurch überschrittene geplante Einsatzdauer machen verstärkte Kontrollen erforderlich.
Sofortmaßnahmen: Es werden zerstörungsfreie Prüfungen an Radsatzwellen durchgeführt. Für den Weiterbetrieb wurden verkürzte Prüfintervalle für Treibradsatzwellen für Laufradsatzwellen festgelegt.
Prozessoptimierung: Die strukturierte und unabhängige Überprüfung deckte zudem Defizite bei der Dokumentation von Pressverbindungen, die Bauteile miteinander verbinden, und den Einsatz nicht originaler Getriebeteile auf. Hier wurde ein strenges Überwachungssystem eingeführt, um jegliche Bewegung der Bauteile sofort zu erkennen. Zum Einsatz kommen unter anderem Verdrehmarkierungen. Für die Getriebeteile wird derzeit an einer Lösung gearbeitet.
Instandsetzung der Federspeicherbremsen
Parallel zu den Radsatzwellen wurden auch die Federspeicherbremsen einer tiefgehenden Analyse unterzogen. Dabei handelt es sich um eine Bremseinheit, bei der die Bremsbeläge rein mechanisch mithilfe von Federkraft an die Bremsscheibe gedrückt werden. Das System arbeitet nach dem “Fail-Safe”-Prinzip. Selbst bei einem Ausfall des Betätigungsmediums wirkt die Bremse. Hier führen Materialengpässe und ein hoher Verschleiß zu Herausforderungen in der Instandhaltung und Obsoleszenzthemen.
Langfristige Strategie: Das „Null-Fehler-Prinzip“
SWB Bus und Bahn betont, dass die aktuelle Situation unter anderem mit den oben genannten Maßnahmen beherrschbar ist. Langfristig wird eine vollständige Modernisierungsstrategie verfolgt. Dies umfasst die Beschaffung einer neuen Radsatzpresse, einer Drehbank sowie den schrittweisen Austausch der Bauteile, die bis dato noch nicht zertifiziert waren.
„Unser Ziel ist ein Null-Fehler-Prinzip in der Produktion und Instandhaltung“, so Gregor Frohne. Die Sicherheit der Fahrgäste und Mitarbeitenden habe zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität.
Angepasster Zeitplan bis zur Wiederinbetriebnahme Mitte August
Nachdem SWB Bus und Bahn gemeinsam mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) Anfang der Woche vereinbart hat, 60 Stadtbahnen für intensive Prüfungen aus dem Verkehr zu nehmen, liegt jetzt ein angepasster Zeitplan vor. Ein von SWB Bus und Bahn beauftragtes Gutachter-Team wird in den kommenden zwei Wochen ein Untersuchungskonzept in Zusammenarbeit mit der SWB-Fahrzeugtechnik, der Prüfgruppe sowie der Werkstatt vorlegen, das dann über die SWB-Betriebsleitung von den Behörden mit oberster Priorität geprüft wird.
Das Konzept muss nachvollziehbar darlegen, mit welchen technischen Maßnahmen und zusätzlichen Prüfungen ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann. Währenddessen arbeitet das Werkstatt-Team rund um die Uhr und auch am Wochenende daran, die Bahnen für den Wiedereinsatz vorzubereiten.
Fahrzeuge der KVB weiterhin angefragt
Mit der KVB ist SWB Bus und Bahn für einen verlängerten Einsatz der 20 geliehenen Fahrzeuge im Austausch. “Wir sind den Aufsichtsbehörden dankbar, dass die theoretischen und praktischen Prüfungen für eine Wiederinbetriebnahme parallel laufen, damit wir voraussichtlich bis Mitte August wieder auf die Schiene können. Ein gemeinsamer Weg wurde bereits vereinbart”, so Bereichsleiter Gregor Frohne.
Konzern-Geschäftsführerin Anja Wenmakers ergänzt: "Sicherheit geht vor Schnelligkeit, wir nehmen uns die Zeit, die es braucht, für die intensivierte Prüfung unserer Fahrzeuge. Sehr dankbar bin ich für die Signale aus Köln, Stadtbahnen bei Bedarf auch über diese Woche hinaus zur Verfügung zu stellen.“
Hintergrund und Ablauf der Prüfungen
Da die Stadtbahnen noch bis in die 2030er Jahre hinein eine Betriebserlaubnis erhalten sollen, finden derzeit intensivierte Prüfungen an den Fahrzeugen der älteren Baureihen statt. In diesem Zusammenhang steht die TAB mit SWB Bus und Bahn seit längerer Zeit in einem kontinuierlichen Austausch.
Spezialisten sind in dieser und der kommenden Woche im Einsatz, unter anderem um betroffene Bauteile mit bestimmten Verfahren zu prüfen. So kann der Zustand der Teile sehr genau betrachtet werden. Die Ergebnisse dieser Prüfungen fließen in das Überwachungskonzept ein, das dann den Aufsichtsbehörden zur Genehmigung vorgelegt wird. Unter diesen Voraussetzungen können die Fahrzeuge in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden voraussichtlich weiterbetrieben werden. (sz)
