03.06.2026

Busse statt Bahnen auf der Linie 66 durch Schäden an Infrastruktur

Zu sehen sind 2 Männer in Warnjacken, die neben Bahngleisen stehen.
(V.l.) Betriebsleiter Friedrich-Jörn Zauner und Bereichsleiter Daniel Stecher an der Bahntrasse der Linie 66 in Sankt Augustin Mülldorf. (Foto: SWB)

Auf der Linie 66 müssen die Fahrgäste noch bis voraussichtlich Ende Juni in einem Teilabschnitt zwischen Sankt Augustin Zentrum und Siegburg Busse statt Bahnen nutzen. Grund sind massive Schäden an der Infrastruktur von SWB Bus und Bahn, darunter beschädigte und entwendete Kabel. Das Verkehrsunternehmen hat bei einem Pressetermin über das Ausmaß und über verschiedenste Gegenmaßnahmen informiert.

Seit Mitte April ist der Stadtbahnverkehr zwischen Bad Honnef und Siegburg eingeschränkt. Grund sind wie berichtet fortgesetzte Arbeiten der Deutschen Bahn AG für die S13 im Bereich Vilich. Ursprünglich sollten die Bahnen ab 12. Juni wieder durchfahren. Sachbeschädigungen an der Infrastruktur und Diebstahl im Bereich der wegen der Bauarbeiten stillgelegten Strecke führen nun zu einem geänderten Vorgehen.

So fahren Busse und Bahnen ab Mitte Juni

Aktuell ist geplant, dass die Stadtbahnen ab Freitag, 12. Juni, Betriebsbeginn von Bad Honnef bis zum Haltepunkt „Sankt Augustin Zentrum/Hochschule Bonn/Rhein-Sieg" durchfahren. Vor Ort schließt sich der Bahnersatzverkehr mit Bussen bis Siegburg und wieder zurück bis Sankt Augustin tagsüber im gewohnten Zehn-Minuten-Takt an.

„Wir wissen, dass die Situation für die Fahrgäste unbefriedigend ist und hätten uns gewünscht, den Stadtbahnbetrieb wie ursprünglich angekündigt anbieten zu können. Das Ausmaß der Schäden ist aber so immens, dass ein sicherer Betrieb im betroffenen Streckenabschnitt derzeit nicht möglich ist. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Reparatur und hoffen auf das Verständnis unserer Fahrgäste. Auch wenn wir die Bahnen hoffentlich ab Ende Juni wieder fahren lassen, werden uns die Arbeiten noch weitere Wochen beschäftigen“, räumen Bereichsleiter Daniel Stecher und Betriebsleiter Friedrich-Jörn Zauner ein. 

Diese Schäden verzeichnet das Unternehmen

Seit der verlängerten Sperrung der Strecke sind mehrfach Trassenkabel angeschnitten und teils entwendet worden. In einigen Abschnitten sind Stammkabel auf einer Länge von 20 oder auch 30 Metern entfernt und beschädigt worden. Darüber hinaus war ein Unterwerk von Sachbeschädigung betroffen, das die Stromversorgung für den Bahnbetrieb und die technischen Anlagen sicherstellt. Mit Unterstützung von BonnNetz und Westnetz konnte dieser Schaden bereits behoben werden.

Teilweise können die Kabelschäden provisorisch repariert werden, in vielen Teilen benötigt SWB Bus und Bahn Unterstützung des Dienstleisters Siemens und weiterer Firmen. Die Reparatur der Signalkabel ist teils enorm zeitaufwendig und muss durch speziell qualifiziertes Personal durchgeführt werden.

Die notdürftig ausgebesserten Stammkabel werden in den kommenden Wochen und Monaten im laufenden Betrieb erneuert und zwar möglichst in der Betriebsruhe, wenn keine Bahnen fahren. Geplant ist, diese Arbeiten ohne weitere Beschränkungen des Bahnverkehrs durchzuführen. Ob das realisierbar ist, hängt vom Reparaturaufwand ab.

Wie die Strecke gesichert wird

SWB Bus und Bahn hat mit Aufkommen der ersten Schäden einen Sicherheitsdienst engagiert und diesen Auftrag aktuell nochmals aufgestockt, damit bereits reparierte Bereiche geschützt bleiben. Darüber hinaus sind Grünflächen an der Strecke stark beschnitten worden, um den kriminellen Akteuren keine Versteckmöglichkeiten zu bieten.

Auch ein sogenanntes Bauwatch-System ist installiert worden, um weitere Sachbeschädigungen zu verhindern. Zudem wird der Einsatz von Drohnen geprüft, um den Streckenabschnitt, in dem der Bahnverkehr noch nicht fortgeführt werden kann, vor weiteren kriminellen Aktivitäten zu sichern.

SWB Bus und Bahn steht mit den Ermittlungsbehörden in Kontakt. Das Unternehmen ist nicht allein betroffen. Kabeldiebstähle nehmen bundesweit zu, betroffen sind vor allem Bereiche, die wegen Sperrungen wenig Aufmerksamkeit und Frequenz haben. Wer beim Kabelklau erwischt wird, muss mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zehn Jahren rechnen, da es sich laut Strafgesetzbuch häufig um einen besonders schweren Fall des Diebstahls handelt.

Polizei ermittelt und bittet um Zeugenhinweise

Das Polizeipräsidium Bonn und die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis nehmen die Diebstahlsdelikte entlang der Trasse zum Anlass, die Ermittlungen eng miteinander abzustimmen und sich kontinuierlich über den aktuellen Sachstand auszutauschen. Die Behörden betonen, dass jeder Spur und jedem Hinweis aus der Bevölkerung konsequent nachgegangen wird, um die Täter zu identifizieren und weitere Taten zu verhindern.

In diesem Zusammenhang appelliert die Polizei an alle Bürgerinnen und Bürger: Melden Sie verdächtige Wahrnehmungen – insbesondere Personen oder Fahrzeuge, die sich zu ungewöhnlichen Zeiten oder auf verdächtige Weise im Bereich der Gleisanlagen und Versorgungseinrichtungen aufhalten – umgehend über den Notruf 110. Auch Beobachtungen, die im ersten Moment unbedeutend erscheinen, können für die Ermittler ein entscheidendes Puzzleteil sein. (sz)

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