27.07.2022

Stadtwerke Bonn setzen auf elektronische Stellwerke

Das alte Relaisstellwerk an der Thomas-Mann-Straße hat nach dem 10. August ausgedient. (Foto: Meike Böschemeyer)

Mit dem Austausch des alten Stellwerks am Hauptbahnhof endet Anfang August ein Großprojekt von SWB Bus und Bahn. Vor zehn Jahren wurde damit begonnen, die Stellwerke von Relaistechnik auf den elektronischen Betrieb umzustellen. Vom 2. bis 10. August wird der Betrieb auf den Stadtbahnlinien 16, 18, 63, 66, 67 und 68 eingeschränkt. In dieser Zeit ersetzen Busse in bestimmen Abschnitten die Bahnen, betroffen sind vor allem Bereiche zwischen Hauptbahnhof und Olof-Palme-Allee, aber auch die Südbrücke.

„Eine Stellwerksanlage steuert und sichert alle Fahrten der Stadtbahnen mit Hilfe von Signalen, Weichen und Schrankenanlagen“, erklärt Joachim Schallenberg, Fachbereichsleiter der Verkehrsleistelle von SWB Bus und Bahn. Gemeinsam mit seinem Team überwacht er von der Thomas-Mann-Straße aus den Bus- und Bahnverkehr in und um Bonn. Damit die Stadt- und Straßenbahnen sicher und verlässlich fahren, ist zudem eine moderne Verkehrsinfrastruktur notwendig.

"Die unbekannte und meist unsichtbare Signaltechnik ist seit rund 50 Jahren rund um die Uhr im Einsatz und gewährleistet so täglich die Sicherheit zehntausender Fahrgäste im Stadtbahntunnel und den angrenzenden Strecken der Bonner Stadtbahnen", ergänzt Christian Lehr, Fachbereichsleiter für Signaltechnik bei SWB Bus und Bahn.

Unterm rollenden Rad erneuert

Die meisten Arbeiten rund um die Stellwerke finden unter dem „rollenden Rad“ statt. Das heißt, es wurde bisher zwischen den Zugpausen oder der Betriebsruhe gearbeitet. "Wir wollen den Verkehr möglichst aufrechterhalten und so wenig wie möglich für die Fahrgäste einschränken", so Lehr und Schallenberg. Die aktuellen Arbeiten am Stellwerk "Ramersdorf Südbrücke" haben in 2019 und die an den Stellwerken "Bonn Zentral" und "Bundesrechnungshof" in 2020 begonnen.  

In dieser Zeit wurden im Tunnel und auf der Südbrücke die neuen Anlagen montiert. In der ersten Augusthälfte werden sie in Betrieb genommen und die alten Anlagen demontiert. Die neue Stellwerkstechnik wird aktiv geschaltet und geprüft. Auch Probefahrten finden statt, deshalb muss der Bahnverkehr in dieser Zeit durch Busse ersetzt werden. 

Stellwerke machen den Bahnverkehr sicher und flexibler

Das Stellwerk regelt unter anderem in den Tunneln, dass zwischen den Stadtbahnen ausreichend Abstand gehalten wird. Außerdem werden zu hohe Geschwindigkeiten technisch ausgeschlossen, denn das Stellwerk überwacht an kritischen Stellen auch die Geschwindigkeit der Bahnen. Sollte ein Fahrzeug zu schnell sein oder über ein rotes Signal fahren, so greift das Stellwerk aktiv in die Elektronik der Bahn ein und bremst sie bis zum Stillstand.

Das alte Stellwerk Nahverkehrsbahnhof ist mit der Umstellung in vier neue Stellwerke aufgeteilt worden, die elektronisch miteinander verbunden sind. Mit neuen Stellwerken kann der Fahrbetrieb viel flexibler auf Störungen reagieren, da nur kleinere Abschnitte im Streckennetz betroffen sind.

Zukünftig können die Bahnen auf beiden Gleisen in beide Richtungen fahren. Bei einem medizinischen Notfall in der Bahn, einer Baustelle oder einem Defekt an einem Fahrzeug muss weniger Bahnersatzverkehr organisiert werden. Wo vorher die Strecke getrennt worden wäre, kann der Fahrbetrieb zukünftig aufrechterhalten werden.

Seit 50 Jahren in Betrieb

Mit dem Bau des Bonner U-Bahn-Tunnels in den 1970er Jahren musste für den sicheren Betrieb der Bahnen ein Stellwerk mit seinen dazu gehörenden Signalen, Weichenantrieben und den sogenannten Gleisfrei-Meldesystemen aufgebaut werden. Das Stellwerk Nahverkehrsbahnhof ist die größte Stellwerksanlage im Streckennetz der SWB. Es befindet sich im Gebäude in der Thomas-Mann-Straße, in dem auch die Betriebsleitstelle untergebracht ist.

Das Stellwerk gehört zur Netzinfrastruktur, koordiniert und steuert die Abwicklung aller Fahrten der Stadtbahnen mit Hilfe von Signalen, Weichen und an der Oberfläche auch die Schrankenanlagen. 

Kosten und Ausblick

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland bezuschusst die Arbeiten mit Fördersätzen zwischen 40 bis zu rund 68 Prozent. Insgesamt handelt es um ein Projektvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

In den kommenden Jahren sollen sukzessive vier weitere Stellwerke in Bonn, Königswinter und Sankt Augustin modernisiert werden. Auch hier soll der Verkehr weitgehend aufrechterhalten werden. 

Hintergrund

Mit den Stellwerken „Bonn Zentral“ und „Bundesrechnungshof“ werden jetzt die letzten beiden Abschnitte des alten Stellwerk Nahverkehrsbahnhof vollständig erneuert. Die ersten beiden Bauabschnitte - das Stellwerk der Rheinuferstrecke (Linie 16) und der Vorgebirgsstrecke (Line 18) - sind bereits in 2015 fertig gestellt worden.

Das alte Stellwerk Nahverkehrsbahnhof sicherte die Strecken von der Stadtgrenze bei Buschdorf bis zur Haltestelle Ollenhauerstraße" sowie die Streckenäste Dransdorf bis Bonn-West und Stadthaus/Hauptbahnhof einschließlich der unterirdischen Abstell- und Wendeanlagen Kaiserplatz und Heussallee. Das Projekt Stellwerksumstellung läuft bereits seit 2012. 

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