27.09.2022

Oldtimer erzählt von vergangenen Zeiten

Ohne Probleme ging es aus dem Abstellgleis am Kaiserplatz in den Dransdorfer SWB-Betriebshof: Mitarbeitende der SWB Bus und Bahn koppelten an den alten Achtachser, der dort trocken und sicher untergestellt war, ganz einfach eine Stadtbahn vorne und eine Stadtbahn hinter dem Oldtimer. Dann ging es ohne Zwischenfälle für die abgeschleppte, alte Bahn in den Betriebshof. Jetzt stehen Prüfungen und Checks an.

Alter Achtachser fuhr bis 1994

Das alte Gefährt ist in gutem Zustand. (Fotos: Weißkirchen/SWB)

Reduzierter Bahnlinienverkehr während der Stellwerksumstellung

Bereichsleiter Bernt Junker hatte die Stellwerksmodernisierung in den Sommermonaten für die Abschleppaktion passend gewählt. Mehrere Tage im August hatte der Fahrbetrieb für diese Arbeiten die Anzahl der Bahnen um den Hauptbahnhof herum stark reduzieren müssen: So nutzen die Werkstattmitarbeitenden freie Zeitfenster für den alten Gelenktriebwagen. Im Betriebshof stehen jetzt Prüfungen zum Zustand an, bevor über die weitere Zukunft des alten Gefährts entschieden wird. 

Solider Gelenktriebwagen

Jahrzehntelang war der Oldtimer dort untergestellt, weil in den Betriebshöfen wenig Platz für ausrangierte Fahrzeuge ist. Mit einer Länge von 27,9 Meter inklusive der Kupplung ist das alte Fahrzeug nur unwesentlich kürzer als herkömmliche moderne Stadtbahnen. Der „alte Achtachser“ - wie ihn die SWB-Mitarbeitenden nennen - wurde 1969 als letzter von insgesamt 15 Achtachsern von der ehemaligen Waggonfabrik DUEWAG gekauft. Der Fahrzeugtyp mit damals schon 64 Sitz- und 83 Stehplätzen wurde auch für viele andere Städte in Westdeutschland beschafft.

64 Sitz- und 83 Stehplätzen bot der Oldtimer den Fahrgästen damals.

U-Bahn-taugliches Stadtbahnmodell

Das U-Bahn-taugliche Fahrzeug war schon mit umfangreichen Sicherungen ausgestattet, wie Zugsicherung und automatischer Zuglenkung.
Durch diese Türen ging es für Hunderttausende Fahrgäste in den Gelenkwagen, der insgesamt 1,4 Millionen gefahrene Kilometer aufweist.

Mit 70 Sachen nach Bad Honnef

Das Fahrzeug wurde extra für die damaligen Überlandstrecken nach Siegburg und nach Bad Honnef (frühere Linie H und S, später 64 und heute 66) sowie die heutigen U-Bahn-Teilstrecken konstruiert. Umfangreiche Sicherheitseinrichtungen, die heute noch Verwendung finden, sind damals erstmals verbaut worden, wie die Zugsicherung und die automatische Zuglenkung. Das Modell ist 26 Tonnen schwer und konnte maximal 70 Stundenkilometer fahren.

Für 414 ging es nicht nach Sofia

Die Achtachser wurden 1993 durch die 5. Serie des Stadtbahnmodells B100C ersetzt, die heute noch im Einsatz sind. 1994 erfolgte der letzte planmäßige Einsatz der alten Fahrzeuge. 1995 wurden alle Achtachser und deren Schwesterfahrzeuge der SWB, die Vier- und Sechsachser, an die Verkehrsbetriebe von Sofia nach Bulgarien verkauft und mit Binnenschiffen ab Graurheindorf verschifft. Bis auf Wagen 414, den alten Achtachser, der damals schon eine stolze Laufleistung von insgesamt 1,4 Millionen Kilometer auf dem Tacho hatte. Warum er die Reise nach Sofia nicht angetreten war, lässt sich nicht mehr feststellen. Die verkauften Fahrzeuge sind bis 2016 im Linienverkehr in Sofia eingesetzt worden.

Auch der alte Bonner Achtachser hat die letzten 28 Jahre im Abstellgleis und zum Teil auf den Betriebshöfen gut überstanden. So das erste fachmännische Urteil der SWB-Mitarbeitenden. Zwar Oldtimer, aber in passablem Zustand.

(vj)

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