24.03.2026

Neuer Sachstand zur Bonner Seilbahn

Zu sehen ist ein Kartenausschnitt der Stadt Bonn. Dort eingezeichnet ist der geplante Trassenverlauf der Seilbahn.
Die Trasse der Seilbahn von Beuel-Ramersdorf über den Rhein hinauf zum UKB auf dem Venusberg wurde nahezu finalisiert. Die Seilbahn ist 3,8 Kilometer lang und umfasst fünf Haltepunkte. (Abbildung: Drees & Sommer)

+++ Dies ist eine gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Bonn und der Stadtwerke Bonn +++ Das Projekt Seilbahn Bonn ist seiner Realisierung ein gutes Stück nähergekommen. Stadt und Stadtwerke haben gemeinsam mit dem Programmsteuerer Drees & Sommer in den vergangenen Monaten die Seilbahn-Trasse nahezu finalisiert, den Nutzen-Kosten-Index und den Zeitplan aktualisiert. Ab dem Jahr 2032 soll die Seilbahn als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs vom rechtsrheinischen Beuel über den Rhein und hoch zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg verkehren. 

„Die Seilbahn ist ein strategisches Leuchtturmprojekt für die Bonner Nahverkehrsplanung. Sie ist die bestmögliche, staufreie Verbindung über den Rhein, mit der wir unter anderem eine Entlastung der sehr stark befahrenen Straßen hinauf zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg erreichen wollen“, betont Oberbürgermeister Guido Déus. „Die Kosten werden transparent in die Haushaltsplanung 2027/28 eingeordnet. Trotz steigender Preise bleibt die Seilbahn, die breite Unterstützung im Stadtrat genießt, dank hoher Förderquoten attraktiv – allerdings unter dem Vorbehalt einer dauerhaft tragfähigen Finanzierung. Deshalb führen wir die Planungen konsequent zu Ende und entscheiden erst nach der Planfeststellung und auf Basis aller Fakten über die bauliche Umsetzung“, macht der Oberbürgermeister deutlich. Das Pilotprojekt zeige die Stärke der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung Bonn und Stadtwerken Bonn.

„Die Bonner Seilbahn zählt zu den Pionierprojekten, weil wir zu den ersten in Deutschland gehören, die eine vollständige Integration in den Öffentlichen Personennahverkehr realisieren wollen. Sie soll kein Tourismus-Gadget sein, sondern ein hochfrequentes Verkehrsmittel. Zum modernen Seilbahn-Fuhrpark gehören 95 barrierefreie Kabinen, die im 20 bis 40-Sekundentakt abheben, und auch Fahrräder, Kinderwägen sowie Rollstühle befördern werden. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl der Bau als auch der Betrieb finanzierbar sind“, betont SWB-Konzerngeschäftsführerin Anja Wenmakers.

Sehr gute Tendenz beim Nutzen-Kosten-Index

„Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Seilbahn ein sinnvolles Projekt. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Nutzen-Kosten-Tendenz von 1,79 und liegen damit deutlich über 1,0, dem Schwellenwert für eine Förderung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG)“, erläutert Stadtbaurat Helmut Wiesner. „Gegenüber der alten Berechnungsmethode nimmt die Bewertung seit der jüngsten Erhebung im Jahr 2022 eine breitere gesamtwirtschaftliche Perspektive ein, das heißt sie geht spezifischer auf Mobilitätsformen wie die Seilbahn ein und ist insgesamt klimaorientierter ausgerichtet.“ Die damalige Berechnungsgrundlage beruht aus einem Verfahren aus dem Jahr 2016 - diese Berechnungsgrundlage hat sich deutlich verändert. 

Die Gesamtinvestition wird aktuell auf rund 155 Millionen Euro netto geschätzt. Der größte Anteil entfällt insbesondere auf die Seilbahntechnik, Stationen, Garagierungen und Streckenausrüstung. Zusätzlich sind Baunebenkosten für Planung, Projektsteuerung, Gutachten und Genehmigungsverfahren sowie ein angemessener Ansatz für Projektrisiken und Unvorhergesehenes berücksichtigt. Weitere projektbegleitende Maßnahmen betreffen unter anderem Leitungsverlegungen, Arbeiten im Umfeld der Trasse sowie Umwelt- und Lärmschutzmaßnahmen. Im Vergleich zu früheren Kostenschätzungen ist der Investitionsrahmen gestiegen, da die Pläne an den heutigen Stand der Technik angepasst worden sind. Eine Rolle spielen zudem zusätzliche Anforderungen an Bauwerke und Lärmschutz und es liegen konkretere geologische Erkenntnisse vor.

Für Großteil der Investition gibt es Fördermittel

Der Großteil der Investition kann durch Fördermittel, vor allem auf Basis des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes, erbracht werden. Für die Bundesstadt Bonn verbleibt ein Eigenanteil von etwa 17,6 Millionen Euro. Die jährlichen Aufwendungen für die Seilbahn werden sich auf etwa 5,2 Millionen Euro belaufen: Sie setzen sich aus Betriebs- und Wartungskosten von rund 3,9 Millionen Euro sowie dem Kapitaldienst für den Eigenanteil von etwa 1,3 Millionen Euro zusammen. Darin sind keine gegenläufigen Effekte wie beispielsweise Erlöse aus Fahrtgeldeinnahmen berücksichtigt.

„Die Planung hat einen hohen Reifegrad erreicht – technisch, organisatorisch und in der Abstimmung mit den Beteiligten. Die Trasse liegt in einer weitgehend finalen Fassung vor, zentrale Fragen sind geklärt. Damit ist auch der weitere Terminplan sauber strukturiert, so dass wir die nächsten Schritte geordnet angehen und zielstrebig auf die Inbetriebnahme im Jahr 2032 hinarbeiten können“, sagt Sebastian Beck, Partner beim Unternehmen Drees & Sommer, das die Programmsteuerung für die Seilbahn übernommen hat.

Die Seilbahn soll nach ihrer Inbetriebnahme bis zu 15.000 Fahrgäste pro Tag transportieren. Diese Prognose setzt sich aus 9.150 zusätzlich generierten Fahrten – zum Beispiel durch Umstieg vom Auto – sowie 6.000 Fahrten von ÖPNV-Bestandskunden zusammen. Durch diese Verlagerung können Buslinien ausgedünnt bzw. verkürzt werden. Konkrete Untersuchungen zum möglichen Verzicht von Buslinien hinauf zum Venusberg werden bei der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans folgen. Damit können dann Einsparpotenziale genauer beziffert werden.

Die Trasse und die Stationen

Die gesamte Seilbahnstrecke wird rund 3,8 Kilometer lang sein, fünf Stationen umfassen und auf insgesamt 22 Stützen aufsetzen. Gegenüber der bisherigen Planung wird die Seilbahn den Rhein einige Meter weiter südlich queren. Durch die vertiefte Planung und den regelmäßigen, konstruktiven Austausch mit den vom Projekt betroffenen Grundstückseigentümer*innen sowie mit den großen Arbeitgebenden entlang der Trasse - für alle Stationen und Stützenstandorte wurden nach Beteiligung der direkten Anrainer Lösungen gefunden - konnten folgende Optimierungen erreicht werden:

  • Station Schießbergweg: Die Haltestelle wird um rund 35 Meter nach Nordwesten verschoben. Dadurch wird sie näher am geplanten Haltepunkt der S-Bahn-Linie 13 angeordnet, was das Umsteigen vereinfacht, und kann die angrenzenden Bürogebäude niedriger überfahren; dies verringert die Kosten. Am Schießbergweg werden die der Kabinen der ersten Sektion in einer Garagierung untergebracht.
  • Station Rheinaue: Durch eine Verschiebung der Station in südöstliche Richtung kann auf Stützen auf dem Gelände der DHL Group verzichtet werden. Die bestehende Verkehrsinfrastruktur wird erhalten.
  • Station UN Campus: Mit einer Verschiebung des Haltepunktes in östliche Richtung konnte eine Optimierung der Seilbahntrasse, der Zu- und Abgangssituation des Personenverkehrs erreicht sowie die Aufrechthaltung der verkehrlichen Situation vor Ort beibehalten werden.
  • Station Loki-Schmidt-Platz: Die Haltestelle bleibt an ihrem bisher vorgesehenen Standort.
  • Station Universitätsklinikum (UKB): Der Haltepunkt auf dem Gelände des UKB wird auf den Bereich der nordöstlich gelegenen Parkplatzfläche verschoben. Dadurch können die Station auf Bodenniveau errichtet, die Schallimmissionen reduziert und weniger Klinikgebäude überflogen werden. Zudem ist Platz für eine Garagierung der Kabinen der zweiten Sektion, und die Busanbindung wird verbessert.

Die nächsten Projektphasen

Im Herbst 2026 soll es eine weitere Dialogveranstaltung für die Öffentlichkeit geben. Nähere Informationen wird die Stadtverwaltung zu gegebener Zeit veröffentlichen. Zudem wird bis Ende 2026 die Vorplanung abgeschlossen und eine funktionale Ausschreibung erstellt, mit der bis Ende 2027 ein Totalunternehmer beauftragt werden kann. Hierauf folgt ab Mitte 2028 das Planfeststellungsverfahren durch die Bezirksregierung Köln. In diesem Verfahren werden die Interessen von Anliegerinnen und Anliegern entlang der Trasse und von Trägern öffentlicher Belange unabhängig geprüft und abgewogen.

Nach positivem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens kann der Bau der Seilbahn beginnen. Hierfür werden nach jetzigem Stand rund zwei Jahre und eine Inbetriebnahme der Seilbahn im Jahr 2032 eingeplant.

Trotz der Zuschüsse von öffentlicher Seite müssen die finanziellen Auswirkungen von Bau und Betrieb der Seilbahn geprüft werden. Dies geschieht im Projekt zur Aufgabenkritik und im Zuge der Aufstellung des Haushaltsplanentwurfes 2027/2028 sowie der mittelfristigen Finanzplanung. Mit Blick auf die prekäre Haushaltssituation der Bundesstadt Bonn wird zu prüfen sein, ob die Seilbahn im Rahmen eines genehmigungsfähigen Haushalts umgesetzt werden kann. Dies wird auch anhand der Ergebnisse der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans zu beurteilen sein.

Hintergrund zum Projekt Seilbahn

Die Seilbahn in Bonn – vom linksrheinischen Venusberg über den Rhein bis ins rechtsrheinische Beuel – wäre die erste urbane, in den Öffentlichen Nahverkehr eingebundene Seilbahn in Deutschland, die mit einem normalen Nahverkehrsticket wie dem Deutschlandticket genutzt werden kann. Das Projekt wird gemeinsam von der Stadt Bonn und den Stadtwerken Bonn in Zusammenarbeit mit dem Programmtsteuer Drees & Sommer geplant und umgesetzt.

Informationen im Internet

Umfangreiche Informationen hat die Stadtverwaltung im Internet unter www.bonn.de/seilbahn veröffentlicht.

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