Eine Handvoll Fragen – Was ist die Busschule?
Viele Kinder nutzen für ihren täglichen Weg zur Schule Bahnen und Busse. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch ein Schritt in die Selbstständigkeit. Damit Eltern das sogenannte „Elterntaxi“ ruhigen Gewissens stehen lassen können, bieten die Stadtwerke Bonn die Busschule an. Ferdinand Fassbender, der seit 22 Jahren das Angebot durchführt und betreut, erklärt, was es damit auf sich hat.

Wie ist die Busschule entstanden? War das Ihre Idee?
Ferdinand Fassbender: Viele Schülerinnen und Schüler nutzen unsere Busse und Bahnen für den Schulweg und um in ihrer Freizeit mobil zu sein. Daher bilden sie eine der größten Fahrgastgruppen im ÖPNV. Umso wichtiger ist es, ihnen das richtige Verhalten in und den sicheren Umgang mit Bussen und Bahnen zu vermitteln. Dafür wurde die Busschule vor ungefähr 22 Jahren ins Leben gerufen. Hauptzielgruppe der Busschule sind Kinder der dritten und vierten Klassen. Denn es ist wichtig, die Jüngsten unter uns schon frühzeitig zu sensibilisieren und auf mögliche Konflikte oder auch kritische Situationen im Straßenverkehr vorzubereiten. Daher legen wir unser Augenmerk auch auf das korrekte Verhalten im öffentlichen Straßenverkehr. Mit dem Angebot wollen wir Unfälle verhindern und für mehr Sicherheit im Nahverkehr sorgen.
Wie kann man sich die Busschule vorstellen?
Ferdinand Fassbender: Mein Kollege Erwin Behrendt und ich kommen mit dem Bus zur jeweiligen Schule. Zunächst besprechen wir den sicheren Weg zur Haltestelle, dann gehen wir die Standardverhaltensregeln in Bussen und Bahnen durch, z.B. sichere Sitzplätze suchen oder sich mit beiden Händen festhalten, wenn man stehen muss. Danach fahren wir zu einer ruhigen Haltestelle und erklären den Kindern die Technik im und am Bus. Also wie viel wiegt ein Bus, wie lange braucht ein Bus oder andere Fahrzeuge, die am Bus vorbeifahren, um anzuhalten, welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es an den Türen, worauf muss man achten, wenn ein Bus eine Haltestelle anfährt oder verlässt. Eben alles, was helfen kann, um die Kinder für ihrem Schulweg zu wappnen und zu sensibilisieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders Experimente mit Pylonen und anderen Hilfsmitteln bei den jungen Teilnehmenden Eindruck machen. Besonders einprägsam und beeindruckend finden sie das Experiment mit dem Schuh und der Kartoffel darin. Der Schuh wird vom Bus überfahren und die Kartoffel wird zerdrückt. So zeigen wir, wie viel Gewicht und wie viel Kraft ein Bus hat. Das kommt immer sehr gut an. Das ganze Programm dauert etwa 1,5 Stunden, danach setzen wir die Klasse wieder bei der Schule ab.

Wie können sich Schulen, Lehrkräfte und andere Interessierte bei Ihnen anmelden?
Ferdinand Fassbender: Pro Durchlauf kann lediglich eine Klasse mit maximal 25 Schülerinnen und Schülern teilnehmen. Eine Lehrkraft muss dabei sein und die Klasse begleiten. Zwei Durchläufe, also zwei Klassen am Vormittag sind möglich. Die Busschule richtet sich hauptsächlich an Grundschulkinder, manchmal nehmen auch fünfte Klassen von weiterführenden Schulen teil. Wer Interesse hat, kann sich bei mir per Mail melden: ferdinand.fassbender@stadtwerke-bonn.de.
Für ältere Jugendliche der 9. und 10. Jahrgänge bieten wir außerdem die Ausbildung zum KliBs (Konfliktlotsen im Bus) an. Diese Schulung realisieren wir in Zusammenarbeit mit einem externen Trainer. Pro KLiBs-Schulung können maximal 12 Personen teilnehmen. Am Ende bekommen die Teilnehmenden ein Zertifikat. Danach sollen sie im Alltag, wenn sie Bus oder Bahn fahren, einen Blick auf mögliche Konflikte haben. Anfragen hierfür nimmt mein Kollege Erwin Behrendt entgegen: erwin.behrendt@stadtwerke-bonn.de.
Kostet die Teilnahme Geld?
Ferdinand Fassbender: Nein, die Schulungsangebote sind kostenlos.
Seit über 20 Jahren machen Sie das schon. Wird es nie langweilig? Und gibt es Highlights, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind oder die dafür sorgen, dass Sie gerne weitermachen?
Ferdinand Fassbender: Jede Busschule ist etwas Besonderes. Die Schülerinnen und Schüler sind immer sehr interessiert und aufmerksam. Besonders dann, wenn man in der Praxis veranschaulicht, welche Kräfte bei einem Bus wirken. Natürlich geht es hierbei in erster Linie um potenzielle Gefahren und darum, wie man ihnen vorbeugt. Aber bei aller Ernsthaftigkeit gibt es auch immer viel zu lachen.
Ich hatte schon Busfahrer in der Ausbildung bei einer Aktion dabei, die selbst in ihrer Grundschulzeit an einer Busschule teilgenommen haben und sich daran noch erinnern. Das ist immer toll und zeigt, dass die Busschule in Erinnerung bleibt.
