„Bee Stops“ - Bushaltestellen für Fahrgäste und Insekten
Von Victor Hugo stammt das Zitat: „Nichts auf der Welt ist so kraftvoll wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Die Idee zu einer begrünten Haltestelle entstand übrigens in der niederländischen Stadt Utrecht. 2019 startete das Projekt zum Erhalt der Bienen. Inzwischen gibt es dort über 300 summende Haltestellen. Dieses Projekt erregte auch in Deutschland große Aufmerksamkeit. Zahlreiche deutsche Verkehrsbetriebe setzten die Idee der begrünten Bushaltestelle um.

Auch in Bonn entstand unter dem Titel „Smart City Partnerstadt“ - mit der begrünten Haltestelle an der Löbestraße in Bad Godesberg - das erste Kooperationsprojekt zwischen der Bundesstadt Bonn und der Firma Ströer. Weitere Haltestellen wurden in verschiedenen Stadtteilen Bonns inzwischen begrünt, wie in Duisdorf, Graurheindorf und in Tannenbusch. Weitere Wartehallen in den Stadtteilen Ippendorf, Beuel und Auerberg sind bereits geplant. Betreut wird das Projekt von dem Experten für blühende Dächer: Theo Selders, auch bekannt als „Onkel Theo“. Seit 40 Jahren entwickelt er Methoden, mit denen man fast jedes Dach begrünen kann. Von der Bushaltestelle bis zum Supermarktdach wurden mit ihm in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Quadratmeter neuer Grünflächen geschaffen.
Der Aufbau unserer grünen Oasen
Etwas Gutes für die Umwelt tun. Dafür wird Bastian Schweinsteiger in einem Werbespot einer Baumarktkette sogar zum Superhelden, wo es heißt: "Es sind ja eher die kleinen Dinge. So einfach geht nachhaltig." Hierbei ist das Einpflanzen des Schopflavendels im Garten der Schweinsteigers etwas einfacher, als z.B. ein Haltestellendach zu begrünen. Doch was muss man alles bei so einem Projekt bedenken und welche Pflanzen eignen sich dafür? Hier spielt zuerst einmal die Statik eine wichtige Rolle. Nicht alle Wartehallen können bepflanzt werden, da die Statik nicht immer mitspielt. Dagegen ist der Aufbau der Grünfläche relativ simpel.
Zuerst wird das Dach mit einer Drainageschaummatte aus recyceltem Material abgedeckt. Auf diese Matten kommt eine Substratschicht aus Bimsstein, in die verschiedenen Sedum-Arten bepflanzt werden. Diese Pflanzen blühen dort - zu unterschiedlichen Zeiten - von Mai bis Oktober. Die Blüten sind sehr beliebt bei Schmetterlingen, Hummeln und Bienen und versorgen die Insekten mit Nektar. Sedum eignet sich hervorragend für die summende Haltestelle, denn sie ist pflegeleicht und wetterfest. Man findet sie oft in der freien Natur auf alten Mauern von Burgen, Wehranlagen oder Kirchen.
Die Blume gehört zu der Familie der Dickblattgewächse, deren kräftigen Blätter wasserspeichernde Eigenschaften haben. So können diese Pflanzen auch Trockenperioden mit Leichtigkeit überstehen. Sie haben eine gute Regenerationsfähigkeit und sind gegenüber Extremtemperaturen unempfindlich. Bei Regen muss ein Ablauf des Wassers gewährleistet sein, denn Staunässe mögen diese Pflanzen gar nicht.



Vorteile einer grünen Oase
Begrünte Haltestellendächer sind nicht nur eine beliebte Nahrungsquelle für verschiedenen Insekten, sondern verbessern nachweislich das Mikroklima in der Stadt. Der sogenannte Wärme-Insel-Effekt wird wesentlich reduziert. Die Temperaturen unterhalb der Wartehalle sind deutlich kühler. Zudem sind Sedum -Pflanzen in der Lage, CO2 und Feinstaub zu binden und so die Emissionslast in der Innenstadt zu senken. Diese grünen Oasen tragen auch erheblich dazu bei, unser Wohlgefühl zu steigern und Stress zu minimieren.
Ein weiteres Projekt der Smart City-Partnerschaft ist die begrünte Litfaßsäule. Die blühende Säule wurde mit Sedum, echtem Hauswurz, Lauch und Schafgarbe bepflanzt und mit einem Insektenhotel ausgestattet. Das in einer sozialen Einrichtung hergestellte Insektenhotel ist eine individuelle Nisthilfe für Insekten und Wildbienen. Die Litfaßsäulebefindet sich direkt neben der Bushaltestelle „Beethovenhalle“. Zwei weitere Litfaßsäulen erhalten ihren Pflanzendeckel und die Insektennisthilfen am Belderberg / Ecke Kapuzinerstraße sowie an der Rabinstraße.
Wir freuen uns, dass wir in den kommenden Monaten weitere begrünte Haltestellen in Betrieb nehmen können. Sollten wir Sie durch unseren Bericht inspiriert haben, auch zum Superhelden zu werden, wir haben noch einen Finanztipp für Sie. Wer sein Dach- oder seine Fassade begrünt, kann bei der Stadt Bonn Zuschüsse von bis 50 Prozent erhalten. Weitere Informationen zum Förderprogramm gibt es unter: www.bonn.de/klimafoerderung.
