14.08.2019

Aus alt mach’ neu: Mit der Erneuerung von Stadtbahnen sind die Stadtwerke Bonn Teil der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie

Schon ihre Anfahrt per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist umweltschonend gewesen. Und was sie am Ziel sahen, ist es erst recht: Innerhalb des Sommerspecials „Auf Touren zur Nachhaltigkeit“ der Stadt Bonn haben städtische Mitarbeiter und deren Familien die Möglichkeit gehabt, unter dem Motto „Aus alt mach’ neu“ den Betriebshof Beuel der Stadtwerke Bonn (SWB) zu besuchen. Denn die SWB sind Teil der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie, die sich wiederum als Bonns Beitrag zur systematischen Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit deren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen versteht. Mit diesen Zielen sollen gemeinsam globale Probleme wie Klimawandel, Artensterben, Armut, Hunger und weltweite Konflikte angegangen und die Gesellschaft sozial gerecht und wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig gestaltet werden.

Wie nachhaltig auf vielen Ebenen das auf dem Beueler SWB-Betriebshof umgesetzte Großprojekt „Zweiterstellung“ ist, erklärte Sebastian Gräbner, stellvertretender Fachbereichsleiter von SWB Bus und Bahn, den Besuchern beim Rundgang durch die riesige Halle, in denen drei mehr als 30 Meter lange Stadtbahnwagen in ganz unterschiedlichen Modernisierungsstadien standen. Denn bei der „Zweiterstellung“ werden insgesamt 25 Stadtbahnen der Baujahre 1973 bis 1977 komplett entkernt und dann mit neuer Technik und in neuem Design unter Berücksichtung fortgeschrittener Standards auch in Sachen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Design wieder aufgebaut.

Wie ein Dynamo
„Die Stadtbahnen werden unter anderem mit einer neuen Antriebstechnik versehen, die statt mechanisch und elektronisch arbeitet und rückspeisefähig ist“, beschrieb Gräbner: „Ähnlich wie etwa beim Fahrraddynamo wird die beim Bremsen freigesetzte Energie genutzt und über die Oberleitung zurück ins Netz eingespeist, so dass sie von anderen Bahnen bei Bedarf genutzt werden kann.“

Schonung von Ressourcen und Kosten
Dass das Projekt auch Ressourcen schont, erfuhren sie außerdem: Mehr als die Hälfte des Materials der Bahnen wird wiederverwendet, zugleich werden moderne Materialien etwa als Dämmstoffe und Sitzbezüge neu eingebaut. 20000 Bauteile werden bei der Ertüchtigung eines einzigen Stadtbahnwagons angefasst und eingepasst und fast 60 Kilometer Kabel verlegt, sagte Gräbner. Durch das Projekt sind darüber hinaus 15 Arbeitsplätze bei den SWB neu entstanden, die meisten davon als Elektriker und Mechaniker. Auch Kosten würden gespart. „Die Zweiterstellung kostet pro Wagen 1,3 Millionen Euro, ein neuer Stadtbahnwagen mindestens 3 Millionen Euro.“

Auch wegen ihrer Solidität und des hohen Komforts der Luftfederung, auf die die Fahrgäste auch bei den modernisierten Wagen nicht verzichten müssen, sei im Jahr 2007 die Entscheidung pro Modernisierung contra Neukauf der Stadtbahnen gefallen. 2012 wurde der Prototyp fertig. Seitdem erfolgt die Zweiterstellung in Beuel in Kooperation mit dem SWB-Betriebshof in Dransdorf, wo die Lackierarbeiten durchgeführt werden.

Sonst Verborgenes offen gelegt
Weil der Betriebshof direkt am Beueler Bahnhof liegt, rauschten draußen andere Bahnen vorbei, während drinnen beim Schleifen oder Schweißen die Funken flogen, gehämmert wurde, es nach Farbe roch und die Besucher sehr interessiert viele Fragen stellten. Kosten, Fördermittel, Zweiterstellungsdauer, Ausstattung und einzelnen Arbeitsschritten galten ihre Fragen. Die Besucher durften sich die drei Stadtbahnwagen in der Halle nicht nur anschauen, sondern sich auch darin umschauen: Führerstand, Sitze, Technik, die sonst unter Fußboden und Fahrgastsitzen verborgen ist. Von einem Wagen stand da nur noch die bloße Karosserie, an einer weiteren Bahn waren die Elektriker mit dem Verlegen der Leitungen beschäftigt, und die dritte Bahn befindet sich nach erfolgter Runderneuerung bereits wieder im Einsatz und soll mindestens weitere 25 Jahre zwischen Siegburg und Bad Honnef fahren.

Woran nicht nur die städtischen Mitarbeiter nicht nur merken, sondern auch schon optisch schnell erkennen, dass sie in einer modernisierten Bahn sitzen, erklärte Sebastian Gräbner auch noch: Es ist nicht nur das rot-weiß-graue Design, mit dem mittlerweile auch ältere, noch nicht modernisierte ehemals grüne Bahnen beklebt sind. Es ist außen vor allem die neue Frontschürze, in der die Lampen untergebracht sind, und innen neben dem rot-weißen Design mit den grauen Stoffbezügen speziell die Deckenkonstruktion mit durchgehendem signalroten Hauptleitungsträger in der Mitte.

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