28.04.2022

Ein Gespräch übers Busfahren, Wandern und in Rente gehen

Anlässlich des Weltfrauentages haben wir auf den verschiedenen Social Media Kanälen Frauen aus unserem Unternehmen vorgestellt. Dabei war auch Claudia Willems (58 Jahre), die seit 1997 bei uns als Busfahrerin angestellt ist.

Claudias Beitrag auf den sozialen Netzwerken war besonders erfolgreich. Dieser wurde insgesamt über 200-mal gelikt und die Kommentare waren voll des Lobes. Erwähnt wurde hierbei auch Ehemann Harry, der seit 1987 im Fahrdienst tätig ist. Das hat uns natürlich neugierig gemacht und wir haben uns mit den Beiden zu einem Interview getroffen.

Claudia, zum Weltfrauentag hatten wir einen Bericht über dich auch auf den sozialen Netzwerken gepostet, warst du - angesichts der vielen Reaktionen und Likes - überrascht?
Claudia: „Ich hatte das gar nicht so mitbekommen, bis ein Bekannter mich anschrieb und mich darauf aufmerksam machte. Man freut sich natürlich sehr darüber und selbst Harry wurde darauf angesprochen. Ich habe auch den Eindruck, dass viele Fahrgäste den Bericht über mich gelesen haben und ich häufiger als sonst im Bus begrüßt werde.“

Ihr habt zuvor in anderen Berufen gearbeitet, was war für euch der Grund für den Berufswechsel?
Harry: „Ich habe vorher als Zimmermann gearbeitet. Ein Beruf, der mir großen Spaß gemacht hat. Leider war damals im Handwerk das Einkommen nicht so gut, im Winter konnte man nicht immer arbeiten und dann gab es Schlechtwettergeld. 1987 hatte man mich auf eine Anzeige im General-Anzeiger aufmerksam gemacht. Damals war Bus und Bahn ja noch ein Amt der Stadt Bonn und es gab mehr Geld als in meinem Handwerk zu verdienen. Öffentlicher Dienst, eine Rentenzusatzkasse sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld, da habe ich mich prompt beworben. Damals kamen viele neue Kollegen aus dem Handwerk, vom Schlosser über Maler bis zum Schreiner war alles dabei.“
Claudia: "Ich fing zehn Jahre später an, war zuvor Arzthelferin beim HNO-Arzt und später Politesse bei der Stadt Bonn. Auch für mich war der wirtschaftliche Faktor ausschlaggebend und ich liebe den Kontakt mit Menschen. Aus dem Grund wollte ich auch nie auf die Straßenbahn oder Kombifahrer werden. Harry schon, der hat gerne seine Ruhe.“


In euren alten Berufen habt ihr euch körperlich betätigt bzw. seid beruflich zu Fuß unterwegs gewesen. Was macht ihr zum Ausgleich zu der sitzenden Tätigkeit?
Harry: „Ich bin früher Marathon gelaufen, auch beim Bonn Marathon war ich meistens beim Stadtwerke Team dabei. Inzwischen machen wir aber bevorzugt Sportarten, die wir gemeinsam ausüben können. Wir fahren mit unseren E-Bikes, machen Nordic Walking und Stand Up Paddling.“
Claudia: „Auch wenn wir sehr gerne reisen, können wir unsere Hobbies an unseren freien Tagen hier zuhause ausüben. Das Siebengebirge liegt vor der Türe und Mosel oder Ahr sind schnell zu erreichen. Bonn liegt in einer tollen Wanderregion und man muss nicht weit fahren. Zu dem Sport haben wir in den letzten Jahren auch unsere Ernährung angepasst. Wir kochen sehr viel mit regionalen Produkten, essen weniger Fleisch und versuchen uns gesund zu ernähren. Das ist mir sehr wichtig. Allerdings sind wir beide auch große Nachkatzen und gönnen uns gerne mal was Süßes für Zwischendurch.“

Inzwischen seid ihr schon seit 25 bzw. 35 Jahren bei uns angestellt. Seit den Anfangsjahren hat sich die Technik der Fahrzeuge kontinuierlich weiterentwickelt. Die Haltestellen werden ausgerufen und angezeigt, es gibt ITCS und der Bus weiß, wo er sich gerade befindet. Die Fahrzeuge sind moderner, es gibt mehr Bedienelemente. Die Fahrscheine werden ausgedruckt und inzwischen gibt es sogar einen Bus mit Kameras statt mit Spiegeln. Wie habt ihr diese Weiterentwicklung empfunden?
Harry: „Das ist heute schon ein ganz anderes Busfahren als in den 80er Jahren. Das Kurbeln der Linien- und Zielbeschilderung war zwar lästig, aber man hatte dann im Kopf, jetzt fährst du eine andere Linie.“
Claudia: „Der Harry ist in Gedanken immer bei mir und muss dann aufpassen, dass er sich nicht verfährt. Natürlich sind diese technischen Erneuerungen eine Arbeitserleichterung, aber ich lege da nicht so großen Wert drauf. Ich hätte kein Problem damit, noch die Haltestellen auszurufen oder die Fahrscheine vom 'Blöckchen' zu verkaufen! Gewöhnen müssen wir uns noch an den Bus mit den Kameras. Wenn man jahrelang mit Spiegeln gefahren ist und nun stattdessen auf Bildschirme im Cockpit blickt, ist das schon ungewohnt.“


Im Fahrdienst haben wir Schichtbetrieb, wie klappt das bei euch mit den Diensten?
Harry: „Eigentlich sehr gut. Wir arbeiten nicht mehr Vollzeit, sondern nur noch 80 Prozent. Das heißt, wir arbeiten von Sonntag bis Mittwoch und haben dann drei Tage frei. Am liebsten fahren wir Mittel- und Spätdienste, da kann man ausschlafen und den Tag erst einmal gemeinsam beginnen.“
Claudia: „Wenn wir außerhalb unserer dienstfreien Tage mal einen Tag frei haben müssen – wie jetzt beim Konzert der Rolling Stones – versuchen die Disponenten das auch möglich zu machen. Aber es ist auch ein Geben und Nehmen. Wenn noch Dienste besetzt werden müssen, helfen wir an unseren freien Tagen aus und übernehmen einen Dienst. Da ist es natürlich von Vorteil, dass wir denselben Beruf ausüben. Welcher Partner hat schon Verständnis, wenn man am Sonntag arbeiten ist, während der Partner dann alleine zuhause ist.“

Claudia, du hast noch sechs Jahre bis zur Rente vor dir. Ich habe gehört, dann kaufst du dir einen Bus?
„Das wäre es, denn inzwischen fahre ich lieber mit dem Bus als mit dem Auto. Geplant ist auf jeden Fall sich gemeinsam in den Ruhestand zu verabschieden und Harry geht dann ein paar Monate früher. Wir hätten gerne einen geschmückten Bus bei unserer letzten Fahrt. Danach möchten wir unsere Zeit als Rentner einfach nur genießen und unseren Hobbies nachgehen. Wir freuen uns schon drauf!“ (mw)

Zur Übersicht